Affect Me

Social Media Images in Art

Lara Baladi, Alone, Together… In Media Res, 2012, 3-Kanal Video Installation (Still) / 3-channel video installation (still), © Lara Baladi 2012

Irene Chabr, Wandernde Gesten I, 2015, Inkjet Prints, Papierstapel mit Bildlegenden / inkjet prints, paper stack with picture legends, Ausstellungsansicht / exhibition view Station 21, Zürich / Zurich, © Irene Chabr

Forensic Architecture, Air Strike Atimah, 2015, Video (Still), Courtesy Forensic Architecture

Lynn Hershman Leeson, Disaster Aesthetics combine Trayvon, 2013, Archival digital print, Courtesy die Künstlerin / the artist & Waldburger Wouters, Brüssel / Brussels

Thomas Hirschhorn, Subjecter (Katastrophé), 2010, Atelieransicht / studio view, Courtesy der Künstler / the artist, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Randa Maroufi, The Park, 2015, Video (Still), Courtesy die Künstlerin / the artist & Le Fresnoy

Rabih Mroué, The Pixelated Revolution, 2012, Part 1 of the series The Fall of a Hair, Video (Still), Courtesy der Künstler / the artist & Sfeir-Semler Gallery, Beirut / Hamburg

Thomas Ruff, jpeg ny11, 2006, C-print, Diasec face mount, Ed. 3, Courtesy Konrad Fischer Galerie, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

D. H. Saur, Hope 2008 – 2011, 2011 © D. H. Saur / Jens Ziehe

Lara Baladi, Irene Chabr, Forensic Architecture, D. H. Saur, Lynn Hershman Leeson, Thomas Hirschhorn, Randa Maroufi, Rabih Mroué, Thomas Ruff

Kuratorinnen: Julia Höner und Kerstin Schwankweiler

Ausstellungslaufzeit: 11. November 2017 bis 10. März 2018

Eröffnung: 10. November 2017, 19 Uhr

Im Zeitalter von Facebook, Instagram, Twitter und Co. hat sich der Umgang mit Bildern grundlegend verändert. Bilder, welche in digitalen Netzwerken zirkulieren, sind zum wichtigsten persönlichen Ausdrucksmittel einer breiten Öffentlichkeit geworden. Denn die interaktive Komponente des Web 2.0 schafft einen neuen dialogbasierten Raum, in dem die Nutzer*innen annähernd in Echtzeit kommunizieren können. Insbesondere wenn Bilder als Vehikel der Kommunikation genutzt werden, nimmt die Frequenz dieses Dialogs rasant an Fahrt auf. Denn Bilder mit ihrem hohen Affizierungspotenzial spielen geradezu virtuos auf der Klaviatur der Gefühle und lösen spontane Reaktionen bei ihren Adressaten aus. Ad hoc und mitunter aus dem Bauch heraus wird kommentiert, was andere posten. Dazu gehören Banalitäten aus dem Leben der User genauso wie Bildbeweisstücke aus den globalen Krisenherden unserer Gegenwart. Die Bedeutung dieser Bilder entsteht durch das Handeln mit ihnen, durch Interaktionsprozesse zwischen Bildern und Menschen, die vor allem durch affektive Dynamiken gekennzeichnet sind. Die Bilder bewegen die User, werden massenhaft ‚geliked‘ oder provozieren Proteste, sind Anlass für Kritik und ungehemmte Pöbelei, befördern öffentliche Debatten und wirken gemeinschaftsbildend. Sie werden vielfach aufgegriffen, in neuen Kontexten gepostet oder publiziert, mit Bildbearbeitungsprogrammen verändert oder mit neuen Aufnahmen nachgeahmt.

Besonders im Hinblick auf zeitgenössische Formen des politischen Protests manifestiert sich das demokratische Versprechen der über die Sozialen Medien verbreiteten Bilder, alternative Perspektiven auf die politischen Krisen der Gegenwart zu liefern. Die Zunahme von ideologischer Propaganda und gefälschten Informationen in den Sozialen Medien mögen diese als Kanäle der Wissensvermittlung aktuell in Verruf gebracht haben. In den weltumspannenden Protestbewegungen der letzten Jahre avancierte jedoch gerade das private, mittels Handykamera aufgenommene und in den Netzwerken online verbreitete Foto zu dem vielleicht bedeutendsten Instrumentarium einer unabhängigen Meinungsbildung.

Hier setzt die Ausstellung Affect Me. Social Media Images in Art an. Sie stellt Arbeiten von neun internationalen künstlerischen Positionen vor, die sich auf die neuen Bildphänomene der Sozialen Medien beziehen und explizit Bildmaterial aufgreifen, das im Kontext von globalen politischen Auseinandersetzungen und zivilgesellschaftlichem Protest ins Netz gespeist wurde. Sie reflektieren in ihren Arbeiten die Gebrauchsweisen und die Semantik dieser Bilder, setzen sich aber ebenso mit ihren ästhetischen Qualitäten auseinander. Mitunter lassen sie uns tief eintauchen in die Orte und Ereignisse unserer aktuellen Welt im Umbruch. Ein anderes Mal nehmen die Künstler*innen eine eher distanzierte Perspektive ein. Sie beleuchten das Vermögen der Bilder zu mobilisieren und zeigen auf, wie diese Bilder Tatsachen schaffen und dabei an der porösen Grenze zwischen Realität und Fiktion agieren.

Eine Kooperation von KAI 10 | Arthena  Foundation, Düsseldorf und dem Sonderforschungsbereich 1171 Affective Societies, Freie Universität, Berlin.

Die Ausstellung in KAI 10 wird gefördert durch: