Backdoor Fantasies

05. April bis 10. August 2014, Partner der Quadriennale Düsseldorf 2014

Anna K.E.:Two Whores in the same Dress, 2013, Ausstellungsansicht / installation view KAI 10, Maße variabel / size variable, Mischtechnik / mixed media. Courtesy die Künstlerin / the artist & Galerie Barbara Thumm, Berlin, Foto / photograph: Alexandra Höner

Michael Beutler: Carpet and Loom, 2010–2014, Ausstellungsansicht / installation view KAI 10, verschiedene Materialien und Stoffreste / mixed media and fabric offcuts, 200 x 350 x 600 cm, Courtesy der Künstler / the artist, Franco Soffiantino Contemporary Art, Productions, Mailand, Galerie Bärbel Grässlin, Frankfurt am Main, Galerie Nagel-Draxler, Köln/Berlin, Foto / photograph: Alexandra Höner

Jean-Pascal Flavien: Los Angeles, 1999, Ausstellungsansicht / installation view KAI 10 Mischtechnik / mixed media, Maße variabel / size variable, Courtesy der Künstler / the artist, Galerie Catherine Bastide, Brüssel & Cooreman Collection

Ludger Gerdes: Angst, 1989, Ausstellungsansicht / installation view KAI 10, Neoninstallation ca. 180 x 700 x 32 cm, Courtesy Skulpturenmuseum Glaskasten Marl, Foto / photograph: Alexandra Höner © VG Bildkunst, Bonn 2014

Jan Hoeft: Exit Strategies, 2014, Ausstellungsansicht / installation view KAI 10, Video mit Ton / video with sound, ca. 15 min., loop, LED-Displaywand / LED display wall, 400 x 500 x 400 cm, Courtesy der Künstler / the artist

Tata Ronkholz: Ausstellungsansicht / installation view KAI 10, Fotografie, Silbergelatine auf Barytpapier / photograph, silver gelatin on baryta paper, je / each 28,5 x 39,5 cm, Courtesy Landeshauptstadt Düsseldorf – Stadtmuseum © VG Bildkunst, Bonn 2014, Foto / photograph: Alexandra Höner

Katja Strunz: Visionäres Fragment für Antoine Cournot, 2014, Ausstellungsansicht / installation view KAI 10, Aluminium, Lack, Hartschaum / aluminum, varnish, PU foam, 360 x 360 x 28 cm, Courtesy die Künstlerin / the artist, Foto / photograph: Alexandra Höner

Katja Strunz: Visionäres Fragment für Antoine Cournot, 2007, Ausstellungsansicht / installation view KAI 10, Patinierte Bronze / patinated bronze, Courtesy die Künstlerin / the artist & Galerie Contemporary Fine Arts, Berlin Foto / photograph: Alexandra Höner

Günter Weseler: Ohne Titel, 2014, Ausguss, emailliertes Gusseisen, Atemobjekt, 20 Atemobjekte, Kunstfell, elektromechanische Steuerung, Walkman, Lautsprecher / spout, enameled cast iron, breathing object, 20 respiratory objects, faux fur, electromechanical control, walkman, speakers, Maße variabel / size variable, Courtesy der Künstler / the artist & COSAR HMT, Düsseldorf, Foto / photograph: Alexandra Höner

Christof Zwiener: Berlin today Berlin aujourd‘hui Берлин сегодня Berlin heute – III, 2014, Ausstellungsansicht / installation view KAI 10, DDR-Fahnenmast, zerschnitten / GDR flag pole, cut, 100 x 330 x 45 cm, Courtesy der Künstler / the artist, Foto / photograph: Alexandra Höner

 

MICHAEL BEUTLER, JEAN-PASCAL FLAVIEN, LUDGER GERDES, JAN HOEFT, ANNA K.E., ISA MELSHEIMER, AERNOUT MIK, HANS PETER REUTER, TATA RONKHOLZ, KATJA STRUNZ, GÜNTER WESELER, CHRISTOF ZWIENER

Kuratoren: Julia Höner und Ludwig Seyfarth

ERÖFFNUNG: Freitag, 04. April 2014, 20 Uhr

Backdoor Fantasies zeigt Kunst, die vom Streben nach Aufbruch, Experiment und Verwandlung geprägt ist. Darin steckt auch utopisches Denken, keine starre Vision einer vermeintlich besseren Welt oder einer universellen Katastrophe. Künstler werfen einen oft ambivalenten Blick in die Zukunft, schauen hinter die Fassaden und misstrauen vollmundigen Versprechungen. Und so betrachten sie auch den technischen und urbanen Wandel.

Anders als bei Konzepten mit definiertem Zielpunkt, etwa bei von Verfahrensrationalität geprägten städtebaulichen Projekten, ist die Verwandlung im Fall der Kunst ein unabgeschlossener Prozess, der Raum für individuelle Projektionen und Fantasien lässt.

Bezugspunkt der Ausstellung Backdoor Fantasies ist der Medienhafen Düsseldorf. Das alte Hafengebiet wurde seit den 1960er-Jahren durch Sanierungen und neue Landmarken- Architekturen in das nächste Jahrtausend katapultiert. Dieses ambitionierte Stadtbauprojekt stand für einen Aufbruch in eine prosperierende Zukunft. Fünf Jahrzehnte später ist es Zeit zu fragen, was von den damaligen städtebaulichen und arbeitsweltlichen Utopien heute noch Bestand hat. Die Ausstellung findet in KAI 10 statt, führt die Besucher aber auch in andere Räumlichkeiten sowie in den Außenraum. Der Blick hinter Fassaden ist ein zentrales Anliegen des Projekts: Backdoor Fantasies fokussiert die Vorstellungsbilder und unterdrückten Gefühle, die bei der Planung eines Areals wie des Medienhafens gleichsam unter den Teppich gekehrt werden. Die Ausstellung zeigt die spezifische Atmosphäre des Medienhafens, spiegelt diese in künstlerischen Arbeiten, macht die abstrakte Vorstellung dieses Areals zu einer Sphäre des persönlich Erlebten. 12 internationale Künstlerinnen und Künstler sind teils mit neuen Produktionen, teils mit existierenden Werken in der Ausstellung vertreten. Statt auf den direkten Ortsbezug, setzt das Projekt auf überraschende Konfrontationen und die Erforschung subtiler emotionaler Qualitäten.

Der assoziative Ausgangspunkt der Ausstellung ist ein Werk Ludger Gerdes – Angst von 1989 – ein Neonschriftzug, eingerahmt von den Piktogrammen eines Golfspielers und einer Kirche. Die Evokation und Analyse beunruhigender Gefühlslagen spielt hier genauso eine Rolle wie in den Videoinstallationen von Aernout Mik. Bei ihm sind es reale sowie vom Künstler inszenierte Versammlungen, deren Verlauf wir auf mehreren Screens gleichzeitig beobachten können, wobei keinerlei verbale Kommunikation übermittelt wird. Stumme Zeugen der Vergangenheit des Medienhafens sind die um 1980 entstandenen Fotografien von Tata Ronkholz, die die radikale Veränderung des Stadtviertels seitdem dokumentieren. Neben den verstorbenen Gerdes und Ronkholz ist mit Günter Weseler ein weiterer namhafter Düsseldorfer Künstler vertreten. Seine kinetischen Objekte paraphrasieren lebendige Körper und infizieren steril erscheinende Architekturen unterschwellig mit Gefühlen der Beklemmung und Abscheu. Eine grundsätzliche Reflexion des Wandels von handwerklich-industrieller Produktion zu postindustriellen Dienstleistungen, für die der Medienhafen exemplarisch steht, findet im Werk Michael Beutlers statt, in dessen Installation Teppiche gewebt wurden. Anna K.E.s assoziationsreich gestaltete Paravents fungieren zur Ausstellungseröffnung als Backstube für traditionelles georgisches Brot und konfrontieren auf diese Weise die an farbige Fassaden erinnernden Raumteiler mit intimen Handlungen. Christof Zwiener dokumentiert und bearbeitet die Relikte der verdrängten und ‚abgewickelten‘ DDR-Geschichte und befragt Formen öffentlicher Erinnerungskultur, wie sie auch im Medienhafen anzutreffen sind. Der Beitrag von Jan Hoeft ist ebenfalls für den Außenraum konzipiert und fokussiert auf das Unbehagen, das monumentale Industriebauten in uns auslösen. Während Jean-Pascal Flavien Formen und Gebrauchsweisen von Architektur einer spielerischen Analyse unterzieht, erscheint das Architektonische bei Isa Melsheimer in einen leichten, flüchtigen Aggregatzustand versetzt. Schwere und Leichtigkeit sind auch bei Katja Strunz gegeneinander austariert. Im Wasser des Hafens schwimmt ein sechseckiges Objekt, das wie die Faltung einer komplexen räumlichen Struktur wirkt. Die auf digital generierte Szenarien vorausweisenden Kachelräume Hans Peter Reuters kehren in KAI 10 an einen Ort zurück, an dem sie schon in den früher hier befindlichen Galerieräumen ausgestellt waren. Für die Backdoor Fantasies ist die Überlagerung verschiedener Zeiten und Orte programmatisch, so dass bereits ‚historische‘ Werke direkt neben ganz neuen, auch speziell für die Ausstellung entstandenen, zu sehen sind.

PARTNER DER

Gefördert durch

Mit freundlicher Unterstützung von

Dezentrale Ausstellung in KAI 10 und den folgenden externen Ausstellungsorten
Fassade KAI 10, Rheinseite
Hafenbecken, Nähe Am Handelshafen 4
Courtyard by Marriott, Speditionstraße 11
Vorplatz Hyatt Regency, Julo-Levin-Ufer
TIGGES Rechtsanwälte, Zollhof 8
Grand Bateau, Hammer Straße 13
Bürgerpark, Nähe Parkhaus und Mauerdenkmal

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag 1118 Uhr

Veranstaltung

ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN SAMSTAGS UM 15 UHR
12. April 2014, 3. Mai, 7. Juni, 2. August 2014

OSTERFERIENPROGRAMM
Mein Haus im Medienhafen - wie ich mir aus Kunst ein Haus baue

14. - 17. April 2014, 10.30 - 13.30 Uhr

Veranstaltung

SYMPOSIUM IN VIER AKTEN: Experten zum Thema Kunst und Urbanität führen im Dialog mit dem Team von KAI 10 durch die Ausstellung
24. April 2014, 19 Uhr: Dr. Söke Dinkla (Direktorin Lehmbruck Museum Duisburg) und Marion Eisele (Wissenschaftliche Mitarbeiterin KAI 10)
22. Mai 2014, 19 Uhr: Ulla Lux (Kulturamt Düsseldorf) und Julia Schleis (Projektleitung KAI 10)
19. Juni 2014, 19 Uhr: Markus Ambach (Künstler und Kurator) und Ludwig Seyfarth (Kurator der Ausstellung)
17. Juli 2014, 19 Uhr: Katja Assmann (Künstlerische Leiterin Urbane Künste Ruhr) und Julia Höner (Kuratorin der Ausstellung)