Mind the Gap

7. Mai bis 16. Juli 2011

Alexander Wolff, Wandbild KAI 10 Düsseldorf, 2011, Collage auf Wand, Courtesy Galerie Ben Kaufmann, Berlin, Ansicht KAI 10

Raum für Kunst

Mind the Gap, Werke von Berthold Reiß und Alexander Wolff, © VG-Bildkunst, Ansicht KAI 10

Raum für Kunst

Berthold Reiß, Die Lehre, 2011, Bleistift, Acrylfarbe, Acrylbinder, Graphit, 3 m x 8,40 m, Courtesy Galerie Ben Kaufmann, Berlin, © VG-Bildkunst, Ansicht KAI 10

Raum für Kunst

Mind the Gap, Vordergrund: Berthold Reiß, Doppelte Sphäre, 2010, Courtesy Galerie Jahn Baaderstraße, München, © VG-Bildkunst, Hintergrund: Alexander Wolff, Wandbild KAI 10 Düsseldorf, 2011, Ansicht KAI 10

Raum für Kunst, 2011

Alexander Wolff, ohne Titel, 2009, Dispersionsfarbe auf Tapete, Leinwand und Baumwolle, Courtesy Galerie Ben Kaufmann

Andy Hope 1930, FM-2030, 2011, verschiedene Materialien, Courtesy Galerie Guido W. Baudach, Berlin © VG-Bildkunst, Ansicht KAI 10

Raum für Kunst, 2011

Andy Hope 1930, FM-2030 (Detail), 2011, verschiedene Materialien, Courtesy Galerie Guido W. Baudach, Berlin, © VG-Bildkunst, Ansicht KAI 10

Raum für Kunst, 2011

Barbara Wüllenweber, Skaterpark Liege, Belgium / Backside Grab, 1989, s/w Foto, Courtesy die Künstlerin, © VG-Bildkunst

Mind the Gap, Werke von Barbara Wüllenweber, © VG-Bildkunst, Ansicht KAI 10

Raum für Kunst

Andy Hope 1930, USS Enterprise, Courtesy Galerie Guido W. Baudach, Berlin, © VG-Bildkunst

 

Andy Hope 1930
Berthold Reiß
Alexander Wolff
Barbara Wüllenweber

Kuratoren: Zdenek Felix, Ben Kaufmann

Der öffentliche Appell „Mind the Gap“, bekannt aus der Londoner Untergrundbahn, soll einen reibungslosen, unfallfreien Ablauf des Alltags ermöglichen. Im übertragenen Sinn macht dieser Ausspruch darauf aufmerksam, dass sich zwischen dem Gegenstand und dem Fluss der Dinge eine Lücke auftut, etwas herausgegriffen wird und sich von anderen Dingen absetzt. Der alltägliche Gegenstand verwandelt sich in ein Zeichen, das zwar in einem neuen Funktionszusammenhang steht, von dort aber umso stärker auf die Realität verweist. Auf dieser unsichtbaren Wandlung des Gegenstands beruht jeder künstlerische Prozess. Strategien der Inszenierung, wie sie im Kontext einer Ausstellung Anwendung finden, betonen diese Entrücktheit des Kunstwerks zusätzlich. In der Ausstellung MIND THE GAP beruht die Inszenierung vor allem auf einer räumlichen Verknüpfung der vier unabhängigen künstlerischen Positionen von Andy Hope 1930, Berthold Reiß, Alexander Wolff und Barbara Wüllenweber. Diese verbinden sich in der Ausstellung zu einem Parcours, der Erscheinungsformen aus dem öffentlichen Raum und alltäglichen Kontexten aufgreift. Plakatwände, archäologische Ausgrabungsstätten, Wandmalerei und Skulpturen, die der Architektur entlehnt sind, geben der Ausstellung ihre Form und setzen diese in Beziehung zu den Räumen von KAI 10.

Der Zyklus FM-2030 von Andy Hope 1930, der erstmals in der Ausstellung MIND THE GAP gezeigt wird, nimmt Bezug auf den Futuristen FM-2030, das Pseudonym des iranisch-amerikanischen Schriftstellers F.M. Esfandiary. FM-2030 proklamierte das Zeitalter des Optimismus und verfolgte in seinen Schriften das utopisch-idealistische Ziel einer neuen, besseren Welt, in der durch technologischen Fortschritt und politischen Wandel nicht nur die Grenzen nationaler Zugehörigkeit sondern auch die Endlichkeit des Lebens beseitigt werden – bis zum Jahr 2030 wollte der Futorologe leben. Der Austausch von Identitäten spielt sowohl im Bilderzyklus von Andy Hope 1930 als auch für den Künstler selbst eine Rolle.

Berthold Reiß nutzt in seiner Wandarbeit die Rhetorik öffentlicher Bildsysteme und verbindet sie in der Ausstellung mit Skulpturen und Aquarellen. Das aus Graphit und Acrylfarbe gestaltete Wandbild zeigt florale Motive sowie Grundformen des Schattenrisses, die gleichermaßen das bildhaft-ornamentale Erzählen antiker Kunst, die abstrahierenden Arabesken Philipp Otto Runges als auch heute allgegenwärtige Formen des Piktogramms aufgreifen. Die vom Künstler genutzten Bildzeichen stehen jedoch nicht für einen historischen Zusammenhang, sondern er versteht sie als zeitlose Formen, in die sich jede Zeit immer wieder neu und subjektiv einschreiben kann. Die Gegenwärtigkeit seines Entwurfs drückt sich denn auch in der Vergänglichkeit des temporär für die Ausstellung geschaffenen, monumentalen Wandbildes aus.

Auch Alexander Wolff zeigt in der Ausstellung eine wandfüllende Collage die zugleich Wandmalerei ist. Auf seinem Streifzug durch Düsseldorf und die Ausstellungsgeschichte von KAI 10 sammelte er Materialien und Bilder, die als Grundsubstanz seiner Arbeit dienen. Innenansichten aus der Düsseldorfer Kunstakademie und seines Hotelzimmers, Straßenstaub und gebrauchtes Baumaterial aus dem Ausstellungsraum, stellen einen Bezug her zu den materiellen und sozialen Parametern der vorgefundenen Situation. Dabei kommt in dem Wandbild, anders als in den Gemälden des Künstlers, kein vorformuliert Entwurf zur Ausführung. Vielmehr beruht die visuelle Opulenz des Werks auf einem assoziativen und konstruktiven Vorgehen, aus dem sich das Bild intuitiv und spielerisch entwickelt.

Die Skater-Fotografien von Barbara Wüllenweber aus dem Jahr 1989 changieren zwischen Kunstwerk und Zeitdokument. Sie thematisieren eine zum damaligen Zeitpunkt in Deutschland neue Jugendkultur. Mit sensitiver Handschrift hält Wüllenweber die Interaktion der Skater fest. Eine speziell für das Projekt entwickelte Blitztechnik ermöglicht ihr, den Moment von Schwerelosigkeit und höchster Konzentration zu fixieren, in dem die Körper in einem entzeitlichten Raum zu schweben scheinen. Nicht einmal 20jährig, schlägt sich in Wüllenwebers Fotos ihre stille Bewunderung für den körperlichen Ausdruck der Skater nieder. Die Arbeiten markieren einen Höhepunkt im frühen Werk der Künstlerin.

Auf Einladung des Kurators Zdenek Felix hat der Berliner Galerist Ben Kaufmann ein Konzept für die Gestaltung der Ausstellungsarchitektur von MIND THE GAP erarbeitet. Auf verschiedenen Kunstmessen und in den Räumen der Galerie inszenierte Ben Kaufmann in der Vergangenheit die Arbeiten seiner Künstler in innovativen Rauminstallationen, die sich auf spielerische Weise mit den Strukturen des Kunstmarkts auseinandersetzen.