Broken Spaces

Tatiana Trouvé, Les indéfinis, 2014, Kunsthalle Nürnberg 2014/15, Foto: Annette Kradisch, Nürnberg; © VG Bild-Kunst Bonn, 2015

 

 

KÜNSTLER: CHRISTIANE FESER, BENJAMIN HOULIHAN, HARALD KLINGELHÖLLER, CHARLOTTE POSENENSKE, CHRISTINE RUSCHE, TATIANA TROUVÉ

Kurator: Ludwig Seyfarth

ERÖFFNUNG: Freitag, 10. April 2015, 19 Uhr

LAUFZEIT: 11. April bis 18. Juli 2015

Mit seinem 1884 erschienenen Buch Flatland. A Romance of Many Dimensions wollte der englische Mathematiker Edwin A. Abbott das damals vieldiskutierte Problem der vierten Dimension auch wissenschaftlichen Laien anschaulich machen. Abbott ersann eine Welt, die nur aus zwei Dimensionen besteht. Als Bewohner des dreidimensionalen Raumes können wir von oben auf diese Flächenwelt schauen; wer allerdings dort, gefangen in der Horizontalen, zu Hause ist, kann nur Linien und Punkte sehen. Der „Wahrnehmungshorizont“ der Flatland-Bewohner ist ähnlich an die flächenhafte Ausdehnung geheftet wie der unsrige an die perspektivische Schachtel, die den meisten digital generierten Räumen immer noch zugrunde liegt. 

Dabei hat Abbotts Versuch, uns neue Raumvorstellungen darzulegen, zahlreiche Parallelen in der modernen Kunst gefunden. Hier wurde der einheitliche perspektivische Raum immer wieder konterkariert, aufgebrochen und vervielfältigt. Statt in eine dreidimensionale Illusion blicken wir gleichsam aus zahlreichen Perspektiven gleichzeitig auf ein zerbrochenes Flächenland.

Die Ausstellung Broken Spaces führt vor, wie Künstler heute und in der jüngeren Vergangenheit mit projizierten, gefalteten oder zerbrochenen Flächen und Räumen spielen, wobei die Grenze zwischen Zwei- und Dreidimensionalität ebenso ambivalent ist wie diejenige zwischen Objekt und Raum. Auch wenn exakte mathematische und geometrische Berechnungen die Grundlage bilden, ist das sinnlich erfahrbare Resultat oft nur schwer auf seinen Ausgangspunkt zurückführbar und entfaltet überraschende poetische und gestalthafte Qualitäten.

Das konstruktivistische Erbe der Moderne, das für viele Künstler eine anhaltende Inspirationsquelle darstellt, wird nicht zitiert oder variiert, sondern auf seine heutige Relevanz hin befragt. Dabei nutzen die Künstler sowohl die Möglichkeiten digitaler Simulationen als auch ihrer Rückwirkung auf „analoge“ Realisationen.

Dreidimensionale Objekte können wie Zeichnungen im Raum erscheinen. Plastische Gebilde beruhen auf der Übertragung von Flächenformen, etwa auf Silhouetten von Schattenwürfen, und lassen innerhalb der Ausstellungsräume eigene Sphären und Raumvorstellungen entstehen – physisch manifest oder immateriell vor dem geistigen Auge der Betrachter.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

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