Less is a Bore

Reflections on Memphis

Raymond Barion, Pyramid, 1983, Courtesy of the Artist

Martine Bedin, Super, 1981, Foto: Memphis Milano Collection, Courtesy Privatsammlung Düsseldorf / private collection Düsseldorf & Memphis Milano

Barbara Kasten, Construct NYC 21, 1984, Courtesy Galerie Kadel Wilborn, Düsseldorf

Ettore Sottsass, Malabar, 1982, Courtesy Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, © VG Bildkunst, Bonn 2016

Michele de Lucchi, Kristall, 1981, Foto: Pariano Angelantonio, Courtesy Privatsammlung Münster / private collection Münster & Memphis Milano

Graham Little, Facts are stupid things (fruit vs fashion), Detail, 2008, Courtesy Alison Jacques Gallery, London, © the artist

Tobias Rehberger, cutting, preparing, without missing anything, and being happy about what comes next, 2009, Courtesy Galerie Bärbel Grässlin

Eva Berendes, Assemblage (bicycle lock), Detail, 2015, Courtesy the artist

RAYMOND BARION, MARTINE BEDIN, EVA BERENDES, BARBARA KASTEN, GRAHAM LITTLE, MICHELE DE LUCCHI, ALESSANDRO MENDINI, TOBIAS REHBERGER, PETER SHIRE, ETTORE SOTTSASS, MATTEO THUN

KAI 10 | Arthena Foundation Düsseldorf, Kuratorin: Julia Höner
Laufzeit: 29. Oktober 2016 bis 11. Februar 2017
Eröffnung: 28. Oktober 2016, 19 Uhr

Provokativ und dekorverliebt, den übermächtigen Modernismus herausfordernd und von der Architektur beseelt – so machte Memphis Design Anfang der 1980er Jahre von sich reden. Less is a Bore. Reflections on Memphis stellt Objekte aus den ersten Produktionsreihen von Martine Bedin, Michele de Lucchi, Alessandro Mendini, Ettore Sottsass, Peter Shire und Matteo Thun in einen Zusammenhang mit Werken internationaler Künstlerinnen und Künstler und spannt dabei einen historischen Bogen bis zur Gegenwart.

Die Ausstellung beleuchtet die Rolle von Memphis als referenzgebundenes, postmodernes Spiel mit Materialien, Formen und ihren Funktionen, das die Grenzen zwischen Kunst, Architektur, Design und Alltagskultur porös werden lässt. Bis heute sind Spuren dieser Haltung auch in der Kunst nachvollziehbar. Less is a Bore skizziert eine Stilgeschichte, die aus Phänomenen der Massenkultur sowie aus Mode und Kulturgeschichte Impulse bezieht und sich in einer geradezu obsessiven Begeisterung für die Ausdrucksmöglichkeiten von Oberflächen zeigt. Die für Memphis charakteristischen Kippeffekte und das Unbestimmte der Erscheinung zwischen Kanne und Kreatur, zwischen Möbel und figürlicher Gestalt finden sich in den Kunstwerken der Ausstellung wieder, die zwischen Architekturmodell und autonomer ästhetischer Illusion wechseln. Auf Memphis verweisen auch von Künstlern gestaltete Objekte, die in latenter Nähe zu den Gebrauchsgegenständen unseres Alltags stehen und unser Funktionsdenken spielerisch herausfordern.

Eine Verwandtschaft zu den Entwürfen von Memphis und deren opulenten Oberflächen zeigen die kantigen Objekte Graham Littles, deren Dekor auf Muster und Formen aus der Mode zurückgeht, ebenso aber von historischen Gebäudefassaden inspiriert ist. Little überzieht seine Skulpturen mit einer illusionistisch gemalten ‚Haut‘ und erinnert auf diese Weise an die polarisierende Co-Existenz von Oberfläche und Form vieler Memphis Objekte. Eva Berendes schöpft aus dem Pool alltäglicher Gebrauchsgüter und nutzt diese als formale Elemente der Gestaltung. Ihre Assemblagen aus unterschiedlichen Werkstoffen und Objekten sind von der Flächenkomposition abstrakter Malerei inspiriert, erinnern aber ebenfalls daran, dass die Dinge Träger kultureller Bedeutungen sind. Für Tobias Rehberger ist die Grenze zwischen künstlerischem Objekt und gestaltetem Gebrauchsgegenstand dynamisch. Die Skulptur Cutting, preparing, without missing anything, and being happy about what comes next (2009) basiert auf der Vorstellung des befreundeten Künstlers Rirkrit Tiravanija über sein bevorzugtes Wohnumfeld. Nicht ohne Humor spielt Rehberger damit auf die zeitgenössische Rolle des Designs zur Erzeugung eines individuellen Lebensstils an. Ursprünge dieser Entwicklung finden sich in den Entwürfen von Memphis, die das Design von seinem funktionalen Zuschnitt entkoppelten und es als Projektionsfläche für individuelle Stimmungen und Gefühle nutzten. Das Memphis-typische Spiel mit Skalierungen zwischen Architektur und Modellhaftigkeit findet sich auch in den Gemälden Raymond Barions, dessen Motive Impulse aus Architektur und Kulturgeschichte aufgreifen und auch im Kolorit einen Hauch jener Objekte versprühen, welche die Gruppe um Ettore Sottsass hervorgebracht hat. Barbara Kasten nutzt Materialien und Objekte, u.a. aus dem architektonischen Modellbau, die sie arrangiert und anschließend fotografiert. Ihre Aufnahmen konzentrieren sich auf das ephemere Erscheinen der Dinge, die durch ihren fotografischen Blickwinkel im Wortsinn gefärbt sind. Der Vorstellung einer, von dieser subjektiven Konstruktion unabhängigen Realität entzieht die Künstlerin damit den Boden. Auch dadurch erweisen sich Kastens Arbeiten als Zeugen jener Zeit, in der sich Architektur und Design von ihrem funktionalen Auftrag lösen und in ein sinnliches Abenteuer verwandeln, welches vor allem unseren Blick und weniger unseren Körper adressiert. Neben einer Werkgruppe von großformatigen Polaroids aus den 1980er Jahren, die in Deutschland bisher noch nie gezeigt wurden, präsentiert Barbara Kasten außerdem eine eigens für KAI 10 konzipierte Installation, die auf einer Videoprojektion basiert.  

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog bei Spector Books mit Texten von Julia Höner, Tido von Oppeln und Oliver Tepel.

Gefördert durch:

Eröffnung
Freitag, 28. Oktober 2016, 19 Uhr

Begrüßung
Monika Schnetkamp, Vorsitzende Arthena Foundation

Einführung
Julia Höner, Kuratorin der Ausstellung

Parallel eröffnet am 28. Oktober 2016 um 19.30 Uhr der Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen die Ausstellung Studio For Propositional Cinema – IN ADVANCE OF A SHIPWRECK: (29. Oktober 2016 bis 8. Januar 2017.

Begleitprogramm

Blurring the Boundaries: Architektur, Design und Kunst im Dialog
Donnerstag, 17. November 2016, 18:30 Uhr
Künstlergespräch mit Eva Berendes und Raymond Barion, moderiert von Julia Höner, Kuratorin

Form follows fun – Italienisches und Neues Deutsches Design der 1980er Jahre
Dr. Wolfgang Schepers (Düsseldorf), Vortrag
Donnerstag, 8. Dezember 2016, 19 Uhr
Beleuchtet werden die unterschiedlichen Dialekte des Designs in beiden Ländern im Kontext der Postmoderne

Mendini und Sottsass: Von Alchimia und Memphis, von Protest und Sinnlichkeit im italienischen Design
Dr. Peter Weiß (Münster), Vortrag
Donnerstag, 26. Januar 2017, 19 Uhr
Im Fokus stehen das Entwurfsdenken der späten 1970er Jahre und den Wandel vom Re-Design bereits existierender Dinge zu den verspielten und bewusst kitschigen Gestaltungen von Memphis

Duesseldorf Photo Weekend
Freitag, 3. Februar – Sonntag, 5. Februar 2017
Mit erweiterten Öffnungszeiten und Sonderprogramm

Finissage
Samstag, 11. Februar 2017, 15 Uhr
Rundgang mit der Kuratorin und anschließender Umtrunk